Von der Idee zum Projekt:
Es begann im September

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wahrscheinlich überrascht es Sie, dass Ihnen an dieser Stelle ausgerechnet eine Spanierin stolz das FOTOHITS-Sonderheft „Fototechnik Made in Germany“ präsentiert. Die Idee dazu entstand im vergangenen September auf dem Weg zur photokina. Der (sehr gesprächige) Taxifahrer unterhielt mich die ganze Fahrt über mit seinen Kommentaren über die photokina, die Fotografie im Allgemeinen, Europa und das Leben als solches. Seiner Meinung nach kommen heute ohnehin alle Produkte aus Asien. Deshalb kaufe er nichts mehr, und deshalb sei auch die Fotobranche auf dem absteigenden Ast.

Auf der Messe angekommen, ging mir diese schlichte Theorie nicht mehr aus dem Kopf. Als ich klein war, hatte mein Vater eine Leica. Sie war sein ganzer Stolz, und er schenkte ihr fast so viel Aufmerksamkeit wie meinen Geschwistern und mir. In meiner Studienzeit war alles, was aus Deutschland kam, ein Symbol für Qualität. „Ingeniería alemana a su alcance“, lautet damals der überall plakatierte Werbeslogan von Opel - „Deutsche Ingenieurskunst, für Sie erreichbar“.

Was ist also das Problem mit der deutschen Fototechnik? Liegt es an schlechter Kommunikation oder schlicht an Unwissenheit, dass viele immer wieder vom Untergang der deutschen Fotoindustrie schwadronieren? Beim Rundgang über die photokina sah ich das große Potenzial mit anderen Augen: vom Mythos Leica über die Traditionsmarken Zeiss und Schneider bis hin zu kleinen und mittleren Unternehmen, deren Produkte – Objektive, Stative, Taschen und vieles mehr – hierzulande konzipiert und produziert werden. Durchweg Qualitätsprodukte mit einer ausgereiften Technik. Mit diesem Sonderheft wollen wir daher nicht nur unterhaltsame Einblicke in die Geschichte der deutschen Fotoindustrie und den Werdegang des Siegels „Made in Germany“ liefern, sondern stellen die große Verbreitung des FOTO HITS Magazins auch in den Dienst der Information über Vielfalt, Bedeutung und Qualität der hierzulande gefertigten Produkte rund um die Fotografie. Dadurch wird auch besser nachvollziehbar, warum Qualität „Made in Germany“ manchmal ihren Preis hat. So bringt eine Produktion nach deutschen Sozial-, Qualitäts-, Sicherheits- und Umweltstandards zwar meist etwas höhere Kosten mit sich als die Fertigung unter oft unkontrollierten Bedingungen in Niedriglohnländern. Jedoch profitieren wir als Gesellschaft insgesamt von der Respektierung dieser Standards – und erhalten im Gegenzug Qualitätsprodukte mit hohem Nutzwert und langer Lebensdauer. Davon abgesehen ist es einfach eine sinnliche Freude, beim Fotografieren perfekte Technik, hochpräzise Mechanik und edle Materialien in der Hand zu halten.

Ich hoffe, dass dieses Sonderheft so dazu beiträgt, dass die Fotobegeisterten die Augen öffnen und - erlauben Sie mir als Spanierin diesen Patriotismus - die deutsche Fotoindustrie mit dem Stolz betrachten, den sie verdient.

Viel Spaß beim Lesen und Schauen
Maria Antonia Serrano

PS: Mitwählen und gewinnen – bei der Leserwahl zum Made-in-Germany-Fotoprodukt des Jahres.